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Irgendwann muss man sie loslassen, da hilft alles nichts ...


Kleine Kinder, kleine Sorgen. Aber später wird ja bestimmt alles besser!
Von wegen, der Spruch geht nämlich noch weiter: Große Kinder ...
 
So 'ne coole Sau!

Ich sitze gerade gemütlich am PC, wühle im Internet - da klingelt das Telefon.

Es ist mein älterer Sohn Kevin. Er fragt mich, wann ich denn eigentlich das letzte Mal was von Jan gehört hätte. Es klingt etwas sorgenvoll. Jan ist mein jüngerer Sohn, also Kevins Bruder. Beide wohnen nicht mehr bei mir, haben eigene Haushalte. Kevin sagt, er hätte nun schon mehrere Tage versucht, Jan telefonisch zu erreichen, hätte ihm aufs Band gequatscht, aber der Kerl ruft einfach nicht zurück, obwohl er sonst immer gleich zurückruft!

Die Alarmglocken schrillen bei mir: Da stimmt doch was nicht!

OK, dass Jan sich in letzter Zeit etwas von mir zurückgezogen hat, hab' ich ja schon gemerkt. Ich habe es so als endgültigen Abnabelungsprozess aufgefasst - Jan hatte noch viel länger als sein älterer Bruder bei mir gewohnt, und bis vor kurzer Zeit hatten wir noch so ein bisschen diese Mutter-Nesthäkchen-Beziehung. Dass Jan da irgendwann mal raus will, leuchtete mir ein - deshalb nahm ich es auch duldend in Kauf, dass Jan sich bei mir seit Wochen überhaupt nicht mehr meldet, oder eben nur, wenn er konkret was will. Vorbei auch die Zeiten, wo ich mir computermäßig Rat bei ihm holen konnte. "Musste halt mal selber kucken", war seine aktuelle Standardreaktion.

Aber dass er sich auch bei seinem Bruder über eine Woche nicht meldet, obwohl der ihm mehrmals aufs Band gesprochen hatte - das war seltsam - die beiden sind fast täglich in Kontakt.

Ich überlege: Neulich war Jan bei mir und hat sich meine Bauchtrainingsbank abgeholt, um, wie er sagt, besser mit den Hanteln trainieren zu können. Gut für mich, denn jetzt habe ich die definitive Ausrede, warum es nie dazu kommt, dass ich mal meine Situps mache. Wie denn ohne Bauchbank?
Mit der Bauchbank, das war am Montag - also vor sechs Tagen. Zwischenzeitlich hatte auch ich Jan mehrmals auf Band gesprochen - Festnetz und Handy - kein Rückruf weit und breit!

Ich frage Kevin, ob er denn mal bei Jans Wohnung vorbeigefahren sei. Ja, sagt Kevin, schon ein paarmal in den letzten Tagen.
"Ja und??" frage ich ungeduldig.
"Also, das Auto steht jedes Mal vor der Tür."
"Und - war Jan denn zu Hause?"
"Weiß nicht, ich hab nicht an der Tür geklingelt", meint Kevin.
Klar, wozu an der Tür klingeln, heute wird ja alles per Handy geregelt, denke ich zynisch.
Ich bitte Kevin, mir Bescheid zu geben, sobald er was von Jan hört.

Ich hole mein Fahrrad aus dem Garten und rase los. Adrenalin pur!
Völlig abgehetzt komme ich vor Jans Haus an. Sein Auto steht in der Einfahrt. Das ist schon mal gut.
Ich klingele. Niemand macht auf. Ich klingel nochmal. Und nochmal, und noch mal - jedes Mal länger - bis hin zum penetranten Sturmläuten. Nichts passiert.

Mir fällt die Sendung mit Beckmann ein, die ich heute Nacht im TV geguckt habe - da war eine Mutter, die einen Verein gegründet hat: verwaiste Eltern von Kindern, die sich das Leben genommen haben. Sie hatte einen Sohn, der das vor sieben Jahren gemacht hat. Das Leid stand ihr ins Gesicht geschrieben. Der Gedanke an diese Sendung trägt weiß Gott nicht zu meiner Beruhigung bei.

Dann fällt mir ein: Um die Ecke ist ein Supermarkt. Klar, Jan ist zu Fuß einkaufen, denke ich erleichtert. Ich stelle mein Rad eilig vorm Laden ab und haste mit doppeltem Blutdruck durch die Gänge des Geschäftes, renne beinahe eine Frau um.
Nein, im Laden ist Jan auch nicht.

Wilde Fantasien: Vielleicht liegt er oben in seiner Wohnung im Delirium - Überdosis von irgendwas ... nein, das darf ich gar nicht erst denken!!
Und wenn doch? - Wenn er Hilfe braucht? Ob ich die Nachbarn fragen soll, wann sie Jan das letzte Mal gesehen haben?
Ich stehe unschlüssig mit meinem Rad vor Jans Haustür. Ein Polizeiwagen kommt mir entgegen. Rettungsengel? - Soll ich sie bitten, Jans Wohnungstür aufzuhebeln? - Und wenn dann gar nichts ist? - Das würde mir Jan nie verzeihen! - Und wenn doch? - Das würde ich mir dann selbst nie verzeihen!

Ich radle heim. Fix und fertig rufe ich Kevin an, erstatte Bericht.
Kevin sagt, ich solle mich mal abregen - vielleicht ist Jan ja irgendwie abgesackt, zuviel gefeiert und so, und will jetzt mal ein paar Tage seine absolute Ruhe haben.
Das beruhigt mich aber gar nicht, ich habe immer noch die verzweifelte Mutter vom Beckmann-Talk im Kopf.
Ich bitte Kevin, ob er nicht mal Jans Freunde anrufen kann. Mir zuliebe. Er verspricht es.

Zehn Minuten später ruft Kevin mich zurück: Er hat einen von Jans Freunden erreicht, und der hat gesagt, Jan hätte sich Urlaub genommen und sei spontan mit ein paar Kumpels für eine Woche nach Stockholm geflogen. Dann sagt Kevin bewundernd: "Ist das nicht 'ne coole Sau?"
"Ja, wirklich, 'ne coole Sau ...", stammle ich, während ich förmlich höre, wie nicht ein Stein, sondern ganze Felsbrocken von meinem Herzen auf den Boden poltern.
 
© Eva S. Roth 2008
21.10.08 21:41
 


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